Wie können wir gesunde Ernährung an Schulen bringen?

Gespräch mit der Leiterin des Bundeszentrums für Ernährung Frau Dr. Büning-Fesel


16 Dezember 2021

Fakten und Wissen über eine umweltbewusste und gesunde Ernährung zu verbreiten – in der Fachsprache spricht man von Ernährungskommunikation – ist das Ziel der Kommunikationskampagne „YouTrition“.

Daher war es eine tolle Erfahrung, dass wir unser zweites Live-Gespräch auf Instagram mit Frau Dr. Büning-Fesel führen durften. Sie ist seit 2017 die Leiterin des Bundeszentrums für Ernährung, kurz BZfE, und somit Expertin im Bereich Ernährungskommunikation. Das BZfE ist eine zentrale Einrichtung, die Ernährungskommunikation im öffentlichen Auftrag der Bundesregierung betreibt. Dies beinhaltet nicht nur den Aspekt der thematischen Aufklärung, sondern auch das Realisieren verschiedener Projekte. Dabei spielen selbstverständlich auch die Schulen eine bedeutende Rolle, denn diese seien wichtige Orte der Ernährungsbildung, so Büning-Fesel.

Frau Dr. Büning-Fesel (rechts oben) spricht mit Mitgliedern von YouTrition über gesunde Ernährung.
Frau Dr. Büning-Fesel (rechts oben) spricht mit Mitgliedern von YouTrition über gesunde Ernährung.

Schüler:innen können aktiv werden

Am offensichtlichsten begegnet einem das Thema gesunde Ernährung in den Pausen – ganz deutlich dort, wo viele der Schüler:innen sich Stärkung für den Schultag holen: der Mensa oder dem Kiosk. Dieser Ort hat somit einen bedeutenden Einfluss auf die Ernährung der Schüler:innen und auf ihr Bewusstsein gegenüber Lebensmitteln. Genau deshalb ist das auch ein guter Anknüpfungspunkt für Schüler:innen, um aktiv zu werden.

Häufig gibt es Mensagruppen, die bei der Gestaltung der Mensa mitwirken. Dort sei, so Büning-Fesel, die Partizipation der Schüler:innen gefragt, da diese Hauptabnehmer des Mensaangebotes sind. Sie wüssten am besten, wo es Probleme und Ansatzpunkte für eine Verbesserung gibt.

Auch das BZfE bietet Materialien und Projekte, welche die Partizipation seitens der Schüler:innen zum Ziel haben.

Beispielsweise ist das Projekt „Zu gut für die Tonne“ in Form einer AG an der eigenen Schule umsetzbar. Ziel dieses Projektes ist die Verminderung von Lebensmittelabfällen. Dazu werden exemplarisch die Lebensmittelabfälle des Mensabetriebs gewogen, um so das Bewusstsein für den Umgang mit Lebensmitteln zu stärken.

Auch Materialien für den Unterricht, zum Beispiel zur Ernährungsbildung, finden sich auf den Seiten des BZfE. Die Einführung eines „Unterrichtsfachs Ernährung“ sei zwar laut Büning-Fesel aktuell nicht realisierbar; dennoch könne man dieses Thema sehr gut in anderen Fächern, wie beispielsweise Hauswirtschaftslehre, Biologie und Sachkunde, einbinden.

Gesunde Ernährung und ihre Bedeutung für den Schutz des Planeten

Die Bedeutung und den Zusammenhang einer umweltbewussten und gesundheitsförderlichen Ernährung zu verstehen und nachzuvollziehen, ist bereits für die jüngeren Schüler:innen enorm wichtig. Hierzu stellt das Bundeszentrum für Ernährung neben zahlreichen anderen Materialien unter anderem Schaubilder zur Verfügung, die den Ressourcenverbrauch verschiedener Lebensmittel veranschaulichen. So können schon die jüngeren Schüler:innen verstehen, warum fast ein Drittel aller Emissionen auf unsere Ernährung zurückzuführen sind.

Frau Dr. Büning-Fesel bezeichnet unsere Ernährung als einen „starken Hebel“ in Bezug auf Nachhaltigkeit und auf unsere Gesundheit. Vor dem Hintergrund einer stark wachsenden Bevölkerung sei es unvermeidbar, den Konsum tierischer Produkte drastisch zu reduzieren. Nur so sei es möglich, eine gewisse Ernährungssicherheit zu garantieren ohne die Ökosysteme der Erde zu zerstören.

In diesem Zuge bezieht sich Büning-Fesel auf den DGE-Qualitätsstandard für die Verpflegung in Schulen, welcher eine Reduzierung des Fleischkonsums auf einen Tag pro Woche vorsieht. Häufig mangele es bei der Umsetzung des DGE-Standards allerdings an der Kreativität der Mensabetriebe, fleischfreie Gerichte schmackhaft und attraktiv zu gestalten. Auch hier wäre ein guter Ansatzpunkt für eine Partizipation der Schüler:innen, sich mit eigenen Ideen und Wünschen einbringen zu können.

Ernährung in Sozialen Medien

Der notwendige Wandel des Denkens ist bereits in vielen Bereichen der sozialen Medien bemerkbar, denn dort spielt das Thema gesunde Ernährung eine immer größere Rolle. Frau Dr. Büning-Fesel betont, dass es wichtig sei, die Konsumenten in den Sozialen Medien nicht mit den Informationen alleine zu lassen. Stattdessen müsse man sie durch Challenges und Aktionen wie den „Veganuary„, der dazu aufruft, sich im Januar vegan zu ernähren, zum Mitmachen bewegen. Allgemein gilt es, das teilweise schlechte Image, das eine umweltbewusste und gesunde Ernährung noch immer besitzt, zu korrigieren.


Fazit

Wir bedanken uns noch einmal ganz herzlich bei Frau Dr. Büning-Fesel für dieses sehr spannende und informative Gespräch, den Austausch und die vielen neuen Ideen, die sie uns mit auf den Weg gegeben hat. Ihre Begeisterung und ihr Engagement im Bereich Ernährung haben uns sehr beeindruckt. Besonders gefreut hat uns natürlich auch ihre positive Einstellung gegenüber unserem Projekt YouTrition und unserem Engagement. Auf unserem Instagram-Account könnt Ihr euch gerne noch einmal das ganze Gespräch anhören.

YouTrition

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